Irak

97 Prozent der Bevölkerung gelten als Muslime (60 Prozent Schiiten, 37 Prozent Sunniten sowie 3 Prozent Christen und andere.)

Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion und der Irak hat eine „Islamische Identität“. Es darf kein Gesetz erlassen werden, das den „etablierten Bestimmungen des Islam“ widerspricht. Die Glaubensfreiheit und Religionsausübung ist für Christen, Yeziden und Sabaean-Mandäer möglich. Die Ausübung des Bahai-Glaubens und des wahhabitischen Zweigs des sunnitischen Islam ist verboten. Ebenso wie die Konversion von Muslimen.

Internationale und lokale Nichtregierungsorganisationen (NRO) berichteten, dass die Regierung das Antiterrorgesetz gegen den ISIS weiterhin als Vorwand für die Inhaftierung von Sunniten und anderen ohne Zugang zu einem rechtzeitigen Verfahren verwendet.

Die Verschlechterung der Sicherheitsbedingungen im Kampf gegen den ISIS ging mit gesellschaftlicher Gewalt einher, die vor allem von sektiererischen bewaffneten Gruppen begangen wurden. Bewaffnete Gruppen griffen weiterhin Sunniten an, um Hinrichtungen zu vollstrecken und Häuser und Geschäfte zu zerstören. Nicht-muslimische Minderheiten berichteten von Drohungen, Druck und Schikanen, sie zur Einhaltung islamischer Bräuche zu zwingen. In vielen Regionen gaben Minderheiten ungeachtet ihrer religiösen Zugehörigkeit an, dass sie von der Mehrheitsgruppe in der Region Gewalt und Belästigung erfahren hätten.

Der Übertritt eines Muslims z. B. zum Christentum ist zwar gesetzlich nicht verboten, führt aber im Ergebnis zu seiner Ächtung, da der Abfall vom islamischen Glauben in vielen Gemeinden und Familien nicht akzeptiert wird. Es besteht die Gefahr, dass der Übergetretene von eigenen Familienmitgliedern getötet wird, da dieser nach ihrer Ansicht Schande über sie gebracht hat.

Dass sich im Irak die staatliche Rechtsordnung weder an der Scharia orientiert noch Atheismus unter Strafe gestellt ist, hält jedoch Polizeivertreter und Richter vereinzelt nicht davon ab, Atheismus als Blasphemie zu deuten. Ein Atheist, der Feindseligkeiten seiner Umgebung ausgesetzt ist, wird daher zögern, sich damit an die Polizei zu wenden. Denn es könnte ihm ergehen wie Yousef Muhammad Ali aus der Region Darbandikhan in Irakisch-Kurdistan. Der erstattete 2014 bei der Polizei Anzeige gegen mehrere Personen, die ihn aufgrund seiner atheistischen und Islam-kritischen Äußerungen mit dem Tode bedroht hatten. Statt die Täter juristisch zu belangen, fand er selber sich plötzlich wegen Blasphemie auf der Anklagebank wieder. Oder, wie es der Fall Ahmad Sherwan aus Erbil (2014) zeigt: Nachdem der damals 15-jährige seinem Vater in einer privaten Religionsstunde mitgeteilt hatte, er glaube nicht an Gott, benachrichtigte dieser die Polizei, die seinen Sohn in Einzelhaft nahm und tagelang folterte. Nach 13 Tagen wurde er wieder freigelassen. 2015 floh er nach Deutschland und erhielt Asyl aus religiösen Gründen, da er Atheist sei.

Die Lage im Irak ist weiterhin prekär.

Auswärtiges Amt: Mit Vormarsch der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) ab Juni 2014 waren große Teile der sunnitischen Gebiete Iraks der Kontrolle der Zentralregierung entglitten. Irakische Sicherheitskräfte und kurdische Peschmerga konnten mittlerweile große Teile der vormals von IS besetzten Gebiete zurückerobern. Die Vereinten Nationen zählen im Irak immer noch rund 3 Millionen Binnenvertriebene. Die Region Kurdistan-Irak beherbergt knapp 1 Million Binnenvertriebene, fast 400.000 davon halten sich allein in der Provinz Dohuk auf. Hinzu kommen rund 230.000 syrische Flüchtlinge. Betroffen sind ethnische und religiöse Minderheiten (Jesiden, Christen, Turkmenen, etc.), in erster Linie aber sunnitische Araber.

Aktuell heißt es in einer Meldung des Auswärtigen Amtes vom 21.11.2017: „Viele Iraker müssen lernen, ihrem Staat nach der Befreiung vom sogenannten Islamischen Staat (IS) wieder zu vertrauen.“

Allerdings befindet sich der Irak in dem Korruptionsindex 2016 auf Rang 166 von 176 Ländern.

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