Saudi-Arabien

Muslime: „100 Prozent“ ist die lakonische Angabe in internationalen Verzeichnissen.

Saudi-Arabien gilt als „Die Wiege des Islams“ (Kaaba in Mekka und Prophetenmoschee in Medina) und die offizielle Staatsreligion des absolutistisch regierten Königreichs ist der Islam in seiner Ausformung des Wahhabismus – eine fundamentalistisch, religiös-konservative und „mittelalterliche“ Variante des Islam, die von einer wörtlichen Interpretation des Korans ausgeht.

Die Verfassung beruht ausschließlich auf dem Koran und der Sunna („Prophetentradition“, d. h. Traditionen und Praktiken, die auf dem Leben des Propheten Muhammad basieren). Das Rechtssystem basiert auf der Scharia, wie sie in der Hanbali-Schule der sunnitischen Rechtswissenschaft interpretiert wird.

Religionsfreiheit ist gesetzlich nicht vorgesehen und es darf keine andere Religion als der Islam öffentlich praktiziert werden. Zu den Opfern der Diskriminierung gehören auch die schiitischen Muslime, einschließlich der Hinrichtung des bekannten schiitischen Geistlichen Scheich Nimr Baqir al-Nimr im Januar 2016.

Die Regierung zensiert Inhalte in den Medien, einschließlich der sozialen Medien und des Internets. Auch wenn der „Kommission zur Förderung von Tugend und Vorbeugung von Lastern“ (CPVPV, Religionspolizei) ab April 2016 die Verhaftungen untersagt wurden, wird das soziale Verhalten aller Bürger weiterhin kontrolliert, um Gesetze und Vorschriften zum Schutz der „öffentlichen Moral“ durchzusetzen.

Bereits im Frühjahr 2014 hatte Saudi-Arabien erklärt, dass Atheismus aus strafrechtlicher Sicht genauso schlimm wie religiös begründeter Terrorismus sei. Per Gesetz werden „die Förderung atheistischer Ideologien in jeder Form“, „jeder Versuch, die Grundlagen des Islam in Frage zu stellen“, und Veröffentlichungen, die „den Bestimmungen des islamischen Rechts widersprechen“ kriminalisiert. Die Regierung verhaftete Personen wegen Apostasie, Blasphemie, Verletzung islamischer Werte und moralischer Standards, Beleidigung des Islam, schwarzer Magie und Zauberei.

Um nur ein Beispiel zu benennen: Seit 2012 ist der saudische Blogger Raif Badawi in Haft. Er gründete 2008 das Online-Forum „Die Saudischen Liberalen“. 1.000 Peitschenhiebe, zehn Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 1.000.000 Saudischen Rial (umgerechnet rund 194.000 Euro) war die Strafe, die er am 8. Mai 2014 wegen „Beleidigung des Islam“ erhielt. Badawi hatte im Internet erklärt, dass „Muslime, Christen, Juden und Atheisten gleichwertig“ seien. Die Anklage forderte daraufhin zunächst seine Hinrichtung wegen „Abfall vom Islam“. Sollte er die Geldstrafe nicht zahlen können, wird sich voraussichtlich die Haft verlängern.

Auch wenn 2017 erste marginale Reformen angeordnet wurden (u. a. dürfen Frauen Auto fahren) beruht die moralische Autorität des saudischen Königshauses auf der Unterstützung durch die konservativen sunnitischen Kleriker, die im Kern nicht reformbereit sind.

Über die Zustände in Saudi-Arabien sind im Januar 2018 zwei Bücher erschienen.

Rana Ahmad: „Frauen dürfen hier nicht träumen“ sowie Kholoud Bariedah :„Keine Tränen für Allah“, die inhaftiert war und alle zwei Wochen fünfzig Peitschenhiebe erhielt.

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