Strafbarkeit von Religionskritik und Glaubensabfall

In Westeuropa ist die Religion für viele Menschen im Alltag relativ unwichtig geworden und in Deutschland, mit mehr als einem Drittel konfessionsfreier Menschen, wissen viele gar nicht, dass in anderen Regionen der Welt Religion sehr wichtig genommen wird und eine Religionsfreiheit vielleicht auf dem Papier benannt, aber faktisch nicht vorhanden ist.

Wird die Religionskritik sowie der Religionswechsel (Konversion) mancherorts bereits mit Strafe belegt, so wird der Atheismus als Glaubensabfall (Apostasie) in mehreren Ländern der Welt auch mit der Todesstrafe geahndet.

In 12 Ländern (Afghanistan, Iran, Malaysia, Malediven, Mauretanien, Nigeria, Katar, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Vereinigte Arabische Emirate und Jemen) kann „Apostasie“ im Prinzip mit dem Tod bestraft werden. Pakistan hat keine Todesstrafe für Apostasie, aber für „Blasphemie“, und die Schwelle für Blasphemie kann sehr niedrig sein. Also, in der Tat können Sie für den Ausdruck des Atheismus in 13 Ländern hingerichtet werden. (IHEU, 2017)

Allerdings ist bei den Ländern mit muslimischen Mehrheiten das grundsätzliche Problem, dass der Islam nicht nur in drei Hauptkonfessionen untergliedert ist (Schiiten, Sunniten und Aleviten) nebst weiteren kleineren Gemeinschaften, sondern auch keine zentrale Lehr-/Interpretationsautorität besitzt, sondern neun Rechtsschulen mit diversen Autoritäten. Deshalb wird im Folgenden versucht, die jeweilige Situation – bei aller Kürze – möglichst genau zu skizzieren.

Länder mit Apostasie-Gesetzen (2014)
Siehe https://fowid.de/meldung/laender-mit-gesetzen-zu-glaubensabfall-oder-blasphemie

Aber noch häufiger als das Verbrechen, ein Atheist zu sein, sind die juristischen Maßnahmen gegen das öffentliche Äußern von atheistischen Ansichten. Viele Länder haben Blasphemie-Gesetze und verurteilen Kritik an geschützten Religionen, religiösen Überzeugungen, religiöse Figuren oder religiöse Institutionen. Beispielsweise hat Pakistan mehr als tausend Menschen seit Einführung seiner aktuellen Anti-Blasphemie Gesetze im Jahr 1988 strafrechtlich verfolgt.

Das „Verbrechen“, eine Religion zu kritisieren, wird nicht immer „Blasphemie“ oder „blasphemische Verleumdung“ genannt; einige Länder verbieten „Diffamierung der Religion“; manchmal ist es unter Hassrede-Gesetzen erfasst; etwa Quasi- „Blasphemie“ -Gesetze verbieten stattdessen „Verletzung religiöser Gefühle“ oder „Beleidigung der Religion“. (IHEU, 2017)

Von diesen Ländern mit „Blasphemie“-Beschränkungen erlauben 43 eine Gefängnisstrafe für dieses Verbrechen. Und das Verbrechen von „Blasphemie“ wird in weiteren 6 Jahren mit dem Tod bestraft Länder: Afghanistan, Iran, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien und Somalia. Darüber hinaus behandeln die meisten der zwölf Länder die „Apostasie“ mit dem Tod bestrafen, manchmal auch „Blasphemie“ als Beweis für Apostasie.

Im Folgenden wird für diese Länder die Situation skizziert. Am Schluss dieses Artikels finden sich Quellen und Verweise auf weiterführende Informationen.

AfghanistanAlgerienÄgyptenBangladeschIrakIranJemenJordanienMalaysiaMaledivenMarokkoMauretanienNigeriaPakistanSaudi-ArabienSomaliaSudan

Weiterführendes…

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