Menschenrechtsaktivisten in Mauretanien wegen Blasphemie in Haft

Gastbeitrag yon Yahya Ekhou

Behörden der Islamischen Republik Mauretanien haben vor zwei Monaten mit der groß angelegten Inhaftierungswelle gegen Menschenrechtsaktivisten begonnen.

Othman Mohamed Lehbib

Als Folge dieser Maßnahmen wurden zwölf Menschen verhaftet, unter ihnen Journalisten, Autoren und Menschenrechtsaktivisten wie Cheikh Nouh, Emine Houd, Mekfoula Ibrahim und Mini Ibrahim. Während der Untersuchungen der nationalen Sicherheitsbehörden wurden die Beschuldigten für mehrere Tage in Einzelhaft verbracht. Neun von den Angeklagten durften nach dieser Zeit die Haft unter richterlichen Auflagen verlassen. Ihnen ist nicht gestattet das Land zu verlassen.

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Pressemitteilung: Über die gefährdete Situation religionsfreier Geflüchteter in Deutschland [Video]

Zusammenschnitt der Veranstaltung „Menschenrecht: Glaubens-Freiheit“ ist bei YouTube verfügbar 

Am 6. Februar fand im Forum der Volkshochschule Köln ein Informationsabend der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. in Zusammenarbeit mit der VHS Köln statt, zum Thema Menschenrechte religionsfreier Geflüchteter. Eine Zusammenfassung ist seit dem 30. März auf YouTube verfügbar:

Die Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. ist der einzige Verein in Deutschland, der sich explizit für die Rechte Geflüchteter einsetzt, die ihre Religion, den Islam, verlassen haben und hier weiterhin Verfolgung ausgesetzt sind, genauso wie bei LGBT*.

Als Referent:innen zu Gast waren Dr. Lale Akgün, Autorin und MdB, a.D., die Bonner Professorin und Dipl. Psychologin Dr. Katja Mierke, die stellvertretend den Vortrag der 29-jährigen saudi-arabischen Menschenrechtsaktivistin Loujain Sultan verlas. Außerdem die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Rana Ahmad sowie Stefan Paintner, beide Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. „Pressemitteilung: Über die gefährdete Situation religionsfreier Geflüchteter in Deutschland [Video]“ weiterlesen

Glaubensabfall im islamischen Gottesstaat Iran als Fluchtgrund

Ein Gastbeitrag von Mohamad Hosein Tavasolli

Der Iran ist eines von 12 Ländern, in dem beim Abfall vom islamischen Glauben die Todesstrafe droht. Mohamad Hosein Tavasolli mussten deswegen aus dem islamischen Gottesstaat fliehen. Dennoch wurde sein Asylantrag abgelehnt, seine Abschiebung wurde lediglich ausgesetzt.

Mit 16 Jahren Atheist und damit Fremdkörper im islamischen Gottesstaat Iran

Mohamad Hosein Tavasolli

Ich bin in einer gut situierten, offenen und liberalen Familie in Shiraz aufgewachsen, die moderat religiös war. Mit ca. 16 Jahren (2012) habe ich für mich konstatiert, dass ich nicht mehr an einen Gott glauben kann und ich damit Atheist bin. Im Alter von ca. 18 Jahren (2014), habe ich regelmäßig an Treffen einer Gruppe von vertrauens­würdigen gleichgesinnten Atheisten teilgenommen. Nachdem ich während einer Autofahrt telefonisch erfahren habe, dass einer unserer Gruppentreffpunkte vom iranischer Sicherheitsdienst Etelat durchsucht wurde bin ich sofort untergetaucht und habe mich bei Freunden in einer weiter entfernten Stadt versteckt. Ein Freund hat für mich innerhalb von 10 Tagen einen gefälschten Pass mit Visum besorgt, mit dem ich am 15.12.2015 vom Flughafen Khomenei in Teheran nach Athen fliegen konnte. Von dort bin ich weiter nach Düsseldorf geflogen und am nächsten Tag in Deutschland angekommen. Seitdem läuft mein Asylverfahren. „Glaubensabfall im islamischen Gottesstaat Iran als Fluchtgrund“ weiterlesen

Pressemitteilung: Veranstaltung „Menschenrecht: Glaubens-Freiheit“

Die Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. lädt Sie herzlich zur Veranstaltung Menschenrecht: Glaubens-Freiheit ein. Der Informationsabend mit spannenden Vorträgen und Gästen wie dem Journalisten Günter Wallraff und Dr. Lale Akgün, Autorin und MdB a.D., sowie Betroffenen findet statt am

Donnerstag, den 6. Februar 2020 um 18:30 Uhr, im
FORUM Volkshochschule im Museum am Neumarkt,
Cäcilienstr. 29-33, 50667 Köln. „Pressemitteilung: Veranstaltung „Menschenrecht: Glaubens-Freiheit““ weiterlesen

Interview mit Mina Ahadi zur Islamkritik in Deutschland

Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, ist im September 2019 von der BILD-Zeitung als eine von fünf Freiheitshelden geehrt worden. Die Säkulare Flüchtlingshilfe nahm dies zum Anlass, um mit Frau Ahadi über die veränderte Islamdebatte in Deutschland zu sprechen.

Mina Ahadi und Vitali Klitschko

Säkulare Flüchtlingshilfe: Frau Ahadi, Sie sind ja dieses Jahr anlässlich der 100 Jahresfeier der BILD-Zeitung zusammen mit den Brüdern Klitschko, Joshua Wong und Raed al-Saleh als Kämpferin für die Freiheit geehrt worden. Das ist insofern signifikant, da ja Islamkritik früher mit dem Kampfbegriff „Islamophobie“ diffamiert wurde. Sie selbst wurden des Öfteren in die politisch rechte Ecke gestellt. Was hat sich verändert? „Interview mit Mina Ahadi zur Islamkritik in Deutschland“ weiterlesen

Säkulare demonstrieren im Irak

Ein Mann singt ein Lied, das sich ähnlich anhört wie die religiösen Gesänge, die auch in Videos des IS zu hören waren. Er filmt sich selbst mit seinem Handy, während er eine Straße in Bagdad entlanggeht, auf der noch vor kurzem eine Demonstration stattgefunden hatte. Diese wurde brutal niedergeschlagen. Dicker Rauch steigt in den Himmel und noch immer brennen Autoreifen. Doch der Mann singt kein religiöses Lied. Er singt:   Oh Welt, ich komme zu dir, damit du hörst, dass dies keine religiöse Revolution ist, sondern eine humanistische Revolution. Sie haben uns mit Gewehren und Artillerie beschossen, aber die Aufklärung folgt uns Revolutionären nach.
Auslöser der Unruhen ist unter anderem die schlechte Arbeitssituation im Land. Doch anders als in der Vergangenheit waren diesmal laut der Zeitung Al-Bayina Al-Jadida keine Parolen oder Banner zu sehen.  Die Menschen scheinen nicht mehr den alten religiösen oder politischen Gruppierungen anzuhängen. Sie scheinen nach neuen Wegen jenseits dessen zu suchen.

Die islamische Welt verändert sich. Nach einer langen Zeit des religiösen Fundamentalismus wächst die Gruppe junger Menschen, die sich nach einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft sehnen. In „The Arab world in seven charts: Are Arabs turning their backs on religion?“ stellte die BBC beispielsweise fest, dass sich der Atheismus in der islamischen Welt ausbreitet. Auch verzeichnet die Säkulare Flüchtlingshilfe einen stetigen Anstieg an Anfragen um 150% von religionsfreien Menschen aus der gesamten islamischen Welt allein in diesem Jahr. Angesichts dessen mutet es seltsam an, dass bei der Integration in Deutschland so viel Rücksicht auf die Religion genommen wird. Junge Menschen in Nahen Osten sind da schon viel weiter.

Gewalt gegen Ex-Muslim auf offener Straße in Flensburg

Amed Sherwan (Foto: privat)

Auch in nichtmuslimischen Ländern sind Drohungen und Gewalt gegen Ex-Muslime leider keine Seltenheit. Davon zeugt ein aktueller Fall aus dem Norden Deutschlands.

Flensburg. Der bekennende Ex-Muslim und säkulare Aktivist Amed Sherwan kam gerade aus einem Hauseingang, als er einen Schlag von hinten an den Kopf und die Füße weggezogen bekam und auf dem Boden liegend geschlagen und getreten wurde. Dieser Vorfall ereignete sich am helllichten Tag in Anwesenheit zahlreicher Außenstehender in der Flensburger Innenstadt. Polizei und Krankenwagen war schnell alarmiert und so konnte das Schlimmste abgewehrt werden.
Vorangegangen war eine Auseinandersetzung zwischen dem Täter und Sherwan zwei Tage vorher auf einem Straßenfest in der beschaulichen Hafenstadt. Der Täter hatte Sherwan offensichtlich erkannt und zunächst nur verbal attackiert. Als Sherwan kurz danach sein Handy aus der Tasche zog, um auf der Feier zu fotografieren, beschimpfte der Täter Sherwan erneut und unterstellte ihm, ein Bild von seiner Frau gemacht zu haben. Die Frau bespuckte Sherwan daraufhin und der Mann drohte Sherwan. Zwei Tage später setzte er die Drohung dann um. „Gewalt gegen Ex-Muslim auf offener Straße in Flensburg“ weiterlesen

Wie islamistische Netzwerke kritische Stimmen in Facebook mundtot machen

Es ist der 13. Juli 2019, als sich Aida (Name geändert) bei mir meldet. „Facebook hat schon wieder meine Seite gesperrt. Ich habe keinen Zugriff mehr!“. Es ist nun schon das zwanzigste mal, dass ihr dies passiert ist. Es geht auch diesmal wieder um den Vorwurf der Volksverhetzung und Verbreitung unsittlicher Bilder. Ihre gesamte Facebookseite ist nun nicht mehr zugänglich. Auch für sie nicht. Alles ist weg. Ihre ganze Arbeit, die kritischen Diskussionen mit den Abonnenten. Alles verloren.

So wie ihr geht es vielen Bloggern, die sich kritisch mit dem Islam und der menschenfeindlichen Kultur in ihren Heimatländern auseinandersetzen. Die sich stark machen für die Rechte der Frauen, der Homosexuellen, der Atheisten oder anderen Minderheiten, die in diesem Gesellschaftssytem in ständiger Angst leben müssen. Außerdem kämpfen sie für die Modernisierung ihrer Heimatländer und die Verbannung der Religion aus dem öffentlichen Leben und vor allem dem Staat.

Aida kämpft hauptsächlich für den Feminismus und gegen die Religion. Sie stellt die Gewalt, die von der Gesellschaft in islamischen Ländern auf Frauen ausgeübt wird auf Facebook zur Schau und hat so eine immer größere Popularität in der arabischen Community erreicht. Sie ist Teil eines liberalen Netzwerks in dem auf Facebook darüber diskutiert wird, wie man die Situation in den Heimatländern verbessern könnte. Ihre Seite war ein wichtiger Teil davon. Sie hatte ca. 7000 Follower und täglich wurden es mehr.

All dies ist nun aus dem Netz genommen, da ein Post als volksverhetzend gemeldet wurde. Zudem kamen Meldungen wegen Zurschaustellung von Nacktheit. Auslöser waren Bilder eines Kindes, das massiver Gewalt durch die Familie ausgesetzt war. Aida hatte es veröffentlicht, um darauf hinzuweisen, dass dieses Kind vom irakischen Staat keinen Schutz vor diesen Misshandlungen genießt. Sie selbst kennt die Alltäglichkeit der Gewalt gegen Kinder aus eigener Erfahrung. Sie leidet heute noch an den Folgen. In ihrer Heimat wird das Recht der Eltern an ihren Kindern als wichtiger angesehen als die Rechte der Kinder. Aida macht hierfür hauptsächlich die Religion verantwortlich.

Was auf diesen Post folgte, war etwas, das allen kritischen Bloggern nur allzu bekannt ist. Es folgt eine Welle an Meldungen bei Facebook. Dort wird er als „Hasspost“, „Volksverhetzend“ oder „Unsittlich (Nudity)“ beschrieben. Da bei einer gewissen Menge an Meldungen automatisch eine Sperrung eingeleitet wird ist diese Methode sehr effektiv, um unliebsame Seiten zu blockieren. Selbst so bekannte Seiten wie Atheist Republic waren schon solchen Aktionen ausgesetzt.

Doch wer verbirgt sich hinter diesen islamistischen Netzwerken?

Islamistischer Netzaktivist Abdullah A.

Meist sind es Islamisten wie in diesem Fall Abdullah A., welcher für die irakische Botschaft in Indien arbeiten soll. Er hat 21.000 Follower auf Facebook und somit großen Einfluss. Der 20-jährige redet ganz offen von „seiner Armee“. Er rief über diesen Kanal zur Sperrung der Seite von Aida auf. Was folgte, waren über 600 Meldungen bei Facebook – die Seite wurde komplett gesperrt, da schon vorher Beschwerden wegen anderer Posts eingegangen waren. Also die Seite aus dem Netz war, konnte man auf der Seite von Herrn A. verfolgen, wie man sich gegenseitig gratulierte, dass eine weitere Kritikerin zum Schweigen gebracht wurde.

Diese Geschichte passiert tagtäglich bei vielen Kritikern. Es ist ein ungleicher Kampf. Denn als Aida Drohungen über Facebook erhalten hatte und sie diese meldete, hieß es nur, dass das nicht gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen würde. Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie alleine die Beschwerde einreichte und sie keine  „Armee“ aktivieren konnte.

Soziale Arbeit frei von Religion – Zusammenarbeit mit dem Brighter Brains Institute

Wir freuen uns, unsere Zusammenarbeit mit dem Brighter Brains Institute bekannt geben zu dürfen! Immer mehr säkulare Organisationen erkennen die Notwendigkeit, mit humanitärem Engagement einen Beitrag bei der Bewältigung sozialer Aufgaben zu leisten. Denn es ist ein Problem, wenn die Notlage in bestimmten Regionen der Welt dazu genutzt wird, um religiöses Dogma zu verbreiten.

Klinik zur Krankheitsprävention

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Arbeit ist das Projekt „Humanists Global“ vom Brighter Brains Institute aus San Francisco, USA. Sie leisten konkrete Hilfe in Form von Mikrokrediten, Sachspenden und medizinischer Hilfen in vielen Ländern Asiens und Afrikas. „Humanists Global“ hat sogar vier humanistisch orientierte Kindergärten und zwei Schulen gegründet. Es gibt auch Kooperationen mit anderen atheistischen Organisationen für den Bau von Krankenhäusern.

Ziel all dieser Bemühungen ist es, neben der Hilfe um akute Not zu lindern, den verheerenden Effekten religiöser Praktiken in den Regionen etwas entgegenzusetzen. Wir von der Säkularen Flüchtlingshilfe halten diese Arbeit für sehr wichtig, damit sich das Leben der Menschen Vorort verbessert. Denn finanzielle Hilfen sind nicht so wichtig, wie den Geist für rationales Denken und humanistische Werte der Toleranz zu öffnen.

Umso mehr freuen wir uns, dass „Humanists Global“ gemeinsam mit der Säkularen Flüchtlingshilfe die Situation von glaubensfreien Menschen verbessern will.