Interview mit Mina Ahadi zur Islamkritik in Deutschland

Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, ist im September 2019 von der BILD-Zeitung als eine von fünf Freiheitshelden geehrt worden. Die Säkulare Flüchtlingshilfe nahm dies zum Anlass, um mit Frau Ahadi über die veränderte Islamdebatte in Deutschland zu sprechen.

Mina Ahadi und Vitali Klitschko

Säkulare Flüchtlingshilfe: Frau Ahadi, Sie sind ja dieses Jahr anlässlich der 100 Jahresfeier der BILD-Zeitung zusammen mit den Brüdern Klitschko, Joshua Wong und Raed al-Saleh als Kämpferin für die Freiheit geehrt worden. Das ist insofern signifikant, da ja Islamkritik früher mit dem Kampfbegriff „Islamophobie“ diffamiert wurde. Sie selbst wurden des Öfteren in die politisch rechte Ecke gestellt. Was hat sich verändert?

Mina Ahadi: Ich denke, dass es eine große Rolle spielt, dass momentan große Demonstrationen in Irak und Iran stattfinden, die sich gegen den politischen Islam wenden. Die Menschen in den sogenannten islamischen Ländern begehren auf und dies wird auch in Europa wahrgenommen. In meiner Heimat Iran gab es in den letzten zehn Jahren zweimal große Demonstrationen. Vor allem als Frauen gegen den Kopftuchzwang demonstriert haben, bemerkten dies auch die Menschenrechtsorganisationen in Deutschland. Wenn ich mich nun gegen das Kopftuch engagiere, so bestätigen eben diese Demonstrationen in den sogenannten islamischen Ländern meine Position hierzu. Inzwischen haben nun Millionen Menschen verstanden, dass es hierbei um Humanismus, Freiheit und Frauenrechte geht. Wer dies ignoriert oder bestreitet unterstützt rechtes Gedankengut. Ich kann nicht verstehen, wie man mit den Worten, dass dies ja zur jeweiligen Kultur gehöre, Steinigungen, Unterdrückung und Verschleierung hinnehmen kann. Deshalb muss man immer wieder auf diese fundamentalen Menschenrechtsverletzungen hinweisen. Kurz gesagt, es hat sich etwas wegen der Proteste in der sogenannten islamischen Welt geändert, auch weil viele mutige Frauen Gesicht gezeigt haben. Das hat uns sehr geholfen.

Säkulare Flüchtlingshilfe: Sie haben ja, wie auch in Ihrem neu aufgelegten und aktualisierten Buch „Ich habe abgeschworen“ mit linken Gruppierungen gegen das Mullah-Regime im Iran gekämpft. Ihr Mann ist als Kommunist hingerichtet worden. Man hätte also schon früher erkennen können, dass Sie nicht im rechten Spektrum zu verorten sind. Stattdessen mussten Sie sich sogar mit einem offenen Brief von der Afd distanzieren, um Ihre Position klarzumachen. Wieso hat es so lang gedauert, bis die Diffamierungen aufhörten?

Mina Ahadi: Ich denke, das Problem lag hauptsächlich an der deutschen und europäischen Politik. Diese haben lange mit den Islamverbänden zusammengearbeitet. Die Folge war, dass alle Migranten aus diesen Ländern das Etikett „Muslim“ bekommen haben. Die Folge war, dass die Menschenrechte nicht mehr als universal angesehen wurden, sondern von der Herkunft abhängig waren. Somit waren nun die Islamverbände die Ansprechpartner für Integration. Dass diese Strategie falsch ist, haben wir schon damals gesagt. Nun zeigt sich, dass wir die Situation richtig eingeschätzt hatten und es große Probleme bei den in Deutschland lebenden muslimischen Bevölkerungsgruppen gibt.

Das zweite Problem war die Haltung der Eliten in Europa, die eine sehr starke Gewichtung auf den Antiimperialismus legten. Was sie nicht verstanden haben war, dass sich die Zeiten geändert haben und der Islamismus nicht die Alternative zum Imperialismus darstellt, sondern es sich dabei um eine totalitäre Ideologie handelt, die die eigene Bevölkerung unterdrückt. Ein Beispiel dafür ist die Steinigung, die ich selbst im Iran erlebt habe. Als ich in Europa war, dachte ich, dass es einen Aufschrei geben würde, wenn man dies erführe. Als ich dann 1992 bis 1995 auf mehreren Frauenrechtskonferenzen war, war ich schockiert von den Reaktionen auf meine Appelle, Druck auf den Iran auszuüben, damit dies aufhört. Es wurde mir zu verstehen gegeben, dass man sich als Europäer nicht in fremde Kulturen einmischen kann und ich nicht so emotional sein solle. Diese Reaktionen halte ich für verrückt.

Offensichtlich gibt es in der Welt zwei Gruppen. Einmal die Machthaber, die ein sehr eigenes Verständnis der Welt haben und die normalen Bürger. Wir haben immer erfolgreich mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammengearbeitet. Dort versteht man, dass es sich bei Steinigung nicht um ein Kulturgut handelt. Politiker haben da andere, politische oder Wirtschaftliche, Interessen. Ich möchte besonders die Parteien Die Linke und die Grünen hervorheben, die hier, obwohl sie sich eigentlich für Menschenrechte in besonderer Weise einsetzen sollten, versagt haben. Sie konnten durch ihre multikulturelle, bzw. postmodernistische Brille nicht sehen, was ich mit dem Beispiel Steinigung kritisierte. Nämlich, dass es sich hierbei um massive Verletzung der Menschenrechte und Frauenrechte handelt und dass diese Menschenrechte verteidigt werden müssen. Und diese dürfen nicht deswegen gerechtfertigt werden, nur weil eine islamistische Regierung an der Macht ist.

Deswegen haben wir Probleme mit rechten Bewegungen. Diese nutzen das Thema, um gegen Ausländer zu hetzen. Daher haben Frauen, die z.B. aus Saudi-Arabien geflüchtet sind, ein weiteres Problem. Sie werden nun als Ausländer in Deutschland angefeindet. Ich wohne seit zwanzig Jahren in Köln und habe nun das erste Mal eine Demonstration erlebt, auf der offen ausländerfeindliche Parolen gerufen wurden. Es war eine Demonstration der Afd und es war sehr bedrohlich für mich. Diese Menschen hetzen gegen alle Ausländer, egal wo sie politisch stehen. Für sie bin ich auch nur eine Ausländerin. Dies ist das Klima, welches durch die lange Verdrängung der Probleme geschaffen  wurde. Deshalb hatte ich schon lange auf die Gefahren, die von der Afd ausgehen hingewiesen und mich von ihrer Politik distanziert.

Das sind die drei Probleme, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Wir müssen uns vor Islamisten verstecken, wir bekommen keine Unterstützung aus der Politik und wir sind Ziel rechter Aggression.

Unser Ziel ist es, eine vernünftige Integrationspolitik zu betreiben. Für Frauenrechte, für LGBT-Rechte, für Kinderrechte also für die universellen Menschenrechte. Auch kann es nicht sein, dass in muslimischen Kreisen einige Menschen Deutsche als schmutzige Schweine bezeichnen. Wir setzen uns auch stark gegen das Kinderkopftuch ein. Über diese Probleme reden wir weiterhin mit den politischen Parteien, vor allem den Grünen und der Partei Die Linke. Denn man muss die Probleme erkennen, um sie lösen zu können. Dies schwächt auch die Afd, die leider im Moment sehr viel Zulauf hat.

Säkulare Flüchtlingshilfe: Was wären konkrete Forderungen an die Grünen und die Partei Die Linke?

Mina Ahadi: Ich denke sie müssen mit den Organisationen wie der Säkularen Flüchtlingshilfe und dem Zentralrat der Exmuslime zusammenarbeiten. Da der Zentralrat der Exmuslime klare politische Positionen bezieht, wollte man bisher nicht mit uns kooperieren. Die Partei die Linke lädt immer wieder Vertreter islamischer Organisationen ein, hat uns aber noch nie angefragt. Aber ich finde es sehr wichtig, dass auch diese Partei z. B. beim Kinderkopftuch klar Position bezieht. Ebenso sollte sie sich dafür einsetzen, dass Kinder keinen konfessionellen Unterricht in den Schulen bekommen. Auch sollten sie klar darstellen, dass nicht alle Geflüchteten die zu uns gekommen sind, gläubige Muslime sind. Ich habe selbst in meiner Nachbarschaft erlebt was passiert, wenn man die Integration den Islamverbänden überlässt. Dort wohnt eine Familie und die Mutter hatte kein Kopftuch, als sie hier ankamen. Erst trug sie einen Hijab und nun ist sie komplett verschleiert. Das finde ich beängstigend. Denn die Partei die Linke und auch die Grünen müssen erkennen, dass wir es hier mit einem politischen Islam zu tun haben. Und wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie die Menschen, die zu uns kommen, in Deutschland radikalisiert werden.

Meine konkreten Forderungen sind, dass die Zusammenarbeit mit Islamverbänden gestoppt werden muss. Stattdessen sollte mit Migrantenvereinen und -vertretungen kooperiert werden, die den progressiven Teil der Gesellschaft repräsentieren und sich für die universellen Menschenrecht einsetzen.

Säkulare Flüchtlingshilfe: Nun gibt es ja gerade in der arabischen Welt eine neue Welle an jungen Ex-MuslimInnen, die eine konsequente Trennung von Staat und Religion fordern. Was unterscheidet diese von den früheren Ex-MuslimInnen z. B. aus dem Iran?

Mina Ahadi: Ich denke es liegt daran, dass Menschen aus den sogenannten islamischen Ländern nun durch ihre Handys Zugang zur Welt haben. Das ermöglicht es ihnen, dass sie sich ohne Kontrolle der Polizei oder der Geheimdienste informieren. Junge Menschen in Mekka, Bagdad oder Teheran mögen dieselben Dinge wie die Menschen in Köln oder London. Ich halte diese neue Generation für besonders weltoffen. Sie ist nicht unbedingt politisch denn viele haben einfach ein großes Bedürfnis ihr Leben genießen zu können. Wenn sie es nicht schaffen zu fliehen, treffen sie sich im Untergrund und versuchen dort ein freieres Leben zu führen. Oft leben die Menschen ganz anders im geheimen als es die Regierung vorgibt. Das sind die Menschen, die momentan in vielen arabischen Ländern auf die Straße gehen und demonstrieren. Ich halte das für eine große Chance. Diese jungen Leute haben genug von Hamas und Hisbollah. Sie möchten nicht mehr unterdrückt werden.

Säkulare Flüchtlingshilfe: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch

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Säkulare demonstrieren im Irak

Ein Mann singt ein Lied, das sich ähnlich anhört wie die religiösen Gesänge, die auch in Videos des IS zu hören waren. Er filmt sich selbst mit seinem Handy, während er eine Straße in Bagdad entlanggeht, auf der noch vor kurzem eine Demonstration stattgefunden hatte. Diese wurde brutal niedergeschlagen. Dicker Rauch steigt in den Himmel und noch immer brennen Autoreifen. Doch der Mann singt kein religiöses Lied. Er singt:   Oh Welt, ich komme zu dir, damit du hörst, dass dies keine religiöse Revolution ist, sondern eine humanistische Revolution. Sie haben uns mit Gewehren und Artillerie beschossen, aber die Aufklärung folgt uns Revolutionären nach.
Auslöser der Unruhen ist unter anderem die schlechte Arbeitssituation im Land. Doch anders als in der Vergangenheit waren diesmal laut der Zeitung Al-Bayina Al-Jadida keine Parolen oder Banner zu sehen.  Die Menschen scheinen nicht mehr den alten religiösen oder politischen Gruppierungen anzuhängen. Sie scheinen nach neuen Wegen jenseits dessen zu suchen.

Die islamische Welt verändert sich. Nach einer langen Zeit des religiösen Fundamentalismus wächst die Gruppe junger Menschen, die sich nach einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft sehnen. In „The Arab world in seven charts: Are Arabs turning their backs on religion?“ stellte die BBC beispielsweise fest, dass sich der Atheismus in der islamischen Welt ausbreitet. Auch verzeichnet die Säkulare Flüchtlingshilfe einen stetigen Anstieg an Anfragen um 150% von religionsfreien Menschen aus der gesamten islamischen Welt allein in diesem Jahr. Angesichts dessen mutet es seltsam an, dass bei der Integration in Deutschland so viel Rücksicht auf die Religion genommen wird. Junge Menschen in Nahen Osten sind da schon viel weiter.

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Gewalt gegen Ex-Muslim auf offener Straße in Flensburg

Amed Sherwan (Foto: privat)

Auch in nichtmuslimischen Ländern sind Drohungen und Gewalt gegen Ex-Muslime leider keine Seltenheit. Davon zeugt ein aktueller Fall aus dem Norden Deutschlands.

Flensburg. Der bekennende Ex-Muslim und säkulare Aktivist Amed Sherwan kam gerade aus einem Hauseingang, als er einen Schlag von hinten an den Kopf und die Füße weggezogen bekam und auf dem Boden liegend geschlagen und getreten wurde. Dieser Vorfall ereignete sich am helllichten Tag in Anwesenheit zahlreicher Außenstehender in der Flensburger Innenstadt. Polizei und Krankenwagen war schnell alarmiert und so konnte das Schlimmste abgewehrt werden.
Vorangegangen war eine Auseinandersetzung zwischen dem Täter und Sherwan zwei Tage vorher auf einem Straßenfest in der beschaulichen Hafenstadt. Der Täter hatte Sherwan offensichtlich erkannt und zunächst nur verbal attackiert. Als Sherwan kurz danach sein Handy aus der Tasche zog, um auf der Feier zu fotografieren, beschimpfte der Täter Sherwan erneut und unterstellte ihm, ein Bild von seiner Frau gemacht zu haben. Die Frau bespuckte Sherwan daraufhin und der Mann drohte Sherwan. Zwei Tage später setzte er die Drohung dann um. „Gewalt gegen Ex-Muslim auf offener Straße in Flensburg“ weiterlesen

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Wie islamistische Netzwerke kritische Stimmen in Facebook mundtot machen

Es ist der 13. Juli 2019, als sich Aida (Name geändert) bei mir meldet. „Facebook hat schon wieder meine Seite gesperrt. Ich habe keinen Zugriff mehr!“. Es ist nun schon das zwanzigste mal, dass ihr dies passiert ist. Es geht auch diesmal wieder um den Vorwurf der Volksverhetzung und Verbreitung unsittlicher Bilder. Ihre gesamte Facebookseite ist nun nicht mehr zugänglich. Auch für sie nicht. Alles ist weg. Ihre ganze Arbeit, die kritischen Diskussionen mit den Abonnenten. Alles verloren.

So wie ihr geht es vielen Bloggern, die sich kritisch mit dem Islam und der menschenfeindlichen Kultur in ihren Heimatländern auseinandersetzen. Die sich stark machen für die Rechte der Frauen, der Homosexuellen, der Atheisten oder anderen Minderheiten, die in diesem Gesellschaftssytem in ständiger Angst leben müssen. Außerdem kämpfen sie für die Modernisierung ihrer Heimatländer und die Verbannung der Religion aus dem öffentlichen Leben und vor allem dem Staat.

Aida kämpft hauptsächlich für den Feminismus und gegen die Religion. Sie stellt die Gewalt, die von der Gesellschaft in islamischen Ländern auf Frauen ausgeübt wird auf Facebook zur Schau und hat so eine immer größere Popularität in der arabischen Community erreicht. Sie ist Teil eines liberalen Netzwerks in dem auf Facebook darüber diskutiert wird, wie man die Situation in den Heimatländern verbessern könnte. Ihre Seite war ein wichtiger Teil davon. Sie hatte ca. 7000 Follower und täglich wurden es mehr.

All dies ist nun aus dem Netz genommen, da ein Post als volksverhetzend gemeldet wurde. Zudem kamen Meldungen wegen Zurschaustellung von Nacktheit. Auslöser waren Bilder eines Kindes, das massiver Gewalt durch die Familie ausgesetzt war. Aida hatte es veröffentlicht, um darauf hinzuweisen, dass dieses Kind vom irakischen Staat keinen Schutz vor diesen Misshandlungen genießt. Sie selbst kennt die Alltäglichkeit der Gewalt gegen Kinder aus eigener Erfahrung. Sie leidet heute noch an den Folgen. In ihrer Heimat wird das Recht der Eltern an ihren Kindern als wichtiger angesehen als die Rechte der Kinder. Aida macht hierfür hauptsächlich die Religion verantwortlich.

Was auf diesen Post folgte, war etwas, das allen kritischen Bloggern nur allzu bekannt ist. Es folgt eine Welle an Meldungen bei Facebook. Dort wird er als „Hasspost“, „Volksverhetzend“ oder „Unsittlich (Nudity)“ beschrieben. Da bei einer gewissen Menge an Meldungen automatisch eine Sperrung eingeleitet wird ist diese Methode sehr effektiv, um unliebsame Seiten zu blockieren. Selbst so bekannte Seiten wie Atheist Republic waren schon solchen Aktionen ausgesetzt.

Doch wer verbirgt sich hinter diesen islamistischen Netzwerken?

Islamistischer Netzaktivist Abdullah A.

Meist sind es Islamisten wie in diesem Fall Abdullah A., welcher für die irakische Botschaft in Indien arbeiten soll. Er hat 21.000 Follower auf Facebook und somit großen Einfluss. Der 20-jährige redet ganz offen von „seiner Armee“. Er rief über diesen Kanal zur Sperrung der Seite von Aida auf. Was folgte, waren über 600 Meldungen bei Facebook – die Seite wurde komplett gesperrt, da schon vorher Beschwerden wegen anderer Posts eingegangen waren. Also die Seite aus dem Netz war, konnte man auf der Seite von Herrn A. verfolgen, wie man sich gegenseitig gratulierte, dass eine weitere Kritikerin zum Schweigen gebracht wurde.

Diese Geschichte passiert tagtäglich bei vielen Kritikern. Es ist ein ungleicher Kampf. Denn als Aida Drohungen über Facebook erhalten hatte und sie diese meldete, hieß es nur, dass das nicht gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen würde. Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie alleine die Beschwerde einreichte und sie keine  „Armee“ aktivieren konnte.

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Soziale Arbeit frei von Religion – Zusammenarbeit mit dem Brighter Brains Institute

Wir freuen uns, unsere Zusammenarbeit mit dem Brighter Brains Institute bekannt geben zu dürfen! Immer mehr säkulare Organisationen erkennen die Notwendigkeit, mit humanitärem Engagement einen Beitrag bei der Bewältigung sozialer Aufgaben zu leisten. Denn es ist ein Problem, wenn die Notlage in bestimmten Regionen der Welt dazu genutzt wird, um religiöses Dogma zu verbreiten.

Klinik zur Krankheitsprävention

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Arbeit ist das Projekt „Humanists Global“ vom Brighter Brains Institute aus San Francisco, USA. Sie leisten konkrete Hilfe in Form von Mikrokrediten, Sachspenden und medizinischer Hilfen in vielen Ländern Asiens und Afrikas. „Humanists Global“ hat sogar vier humanistisch orientierte Kindergärten und zwei Schulen gegründet. Es gibt auch Kooperationen mit anderen atheistischen Organisationen für den Bau von Krankenhäusern.

Ziel all dieser Bemühungen ist es, neben der Hilfe um akute Not zu lindern, den verheerenden Effekten religiöser Praktiken in den Regionen etwas entgegenzusetzen. Wir von der Säkularen Flüchtlingshilfe halten diese Arbeit für sehr wichtig, damit sich das Leben der Menschen Vorort verbessert. Denn finanzielle Hilfen sind nicht so wichtig, wie den Geist für rationales Denken und humanistische Werte der Toleranz zu öffnen.

Umso mehr freuen wir uns, dass „Humanists Global“ gemeinsam mit der Säkularen Flüchtlingshilfe die Situation von glaubensfreien Menschen verbessern will.

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Säkulare Flüchtlingshilfe spricht im EU Parlament

Die Säkulare Flüchtlingshilfe beschrieb die besondere Lage der Atheisten mit muslimischem Hintergrund, die in Deutschland Asyl suchen. An Beispielen illustrierte Stefan Paintner die Methoden, wie Kritiker in Europa mit großer Wirksamkeit zum Schweigen gebracht werden, wie der Beschattung saudischer Geflüchteter durch saudische Behörden oder den Aktivitäten islamistisch, schiitischer Milizionäre (z.B. der Rockerbande „Al Salam 313“, welche vor kurzem von der Polizei mit einer Großrazzia in den Fokus genommen wurde). Es trauten sich unter diesen Umständen nur sehr wenig Betroffene zu sprechen und diese benötigten besonderen Schutz.

Weiterhin stellte er auch konkrete Forderungen zum Verfahren. So solle eine Vertrauensperson der geflüchteten Person bei der Asylbefragung anwesend sein dürfen, um die korrekte Vermittlung des Gesagten zu kontrollieren. Es seien schon öfters wesentliche Inhalte bei den Asylgesprächen nicht oder nicht richtig übersetzt worden. Des weiteren solle die für Deutschland geltende Wohnsitzauflage für nichtreligiöse Asylsuchende ersatzlos gestrichen werden, da dies die Sicherheit der Betroffenen stark erhöhe.

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„Es ist, als ob man eine sehr alte und staubigen Maske abnimmt“ – Religionsfrei im Jemen

Immer mehr Menschen in der islamischen Welt verlassen ihre Religion. Viele tun dies im Stillen, doch manche schreiben darüber. Ein besonders faszinierendes Beispiel hierfür ist der Blog einer jungen Frau aus dem Jemen. Es gehört viel Mut dazu sich mitten aus diesem konservativen Land, in welchem zudem seit fast vier Jahren Krieg herrscht, kritisch zum Islam zu äußern.

Uns ist es gelungen zu dieser außergewöhnlich mutigen Frau Kontakt aufzunehmen. Uns interessierte, wer hinter dieser Facebookseite steckt. Wir waren bei unserer Befragung jedoch darauf bedacht, dass ihre Identität gewahrt bleibt und haben keine Fragen gestellt, die ihre Identität verraten könnten.

Du lebst als junge Frau im Jemen. Wie ist die Situation für Frauen dort und wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert?

Die Situation für die Frauen hier ist absolut schrecklich und hat sich in den letzten Jahren noch verschlimmert. Jemen ist speziell für Frauen sehr unsicher geworden. Es gibt heute mehr denn je Entführungen und Vergewaltigungen, gefolgt von „Ehren“-Morden“. Viele Frauen entscheiden sich dafür, dies nicht zu thematisieren, aus Angst vor Misshandlung, Scham und Verurteilung durch die Menschen um sie herum, denn das bringt Schande über ihre Familien. Frauen werden zu Ehen gezwungen, die sie nicht wollen, in denen sie unglücklich sind. Die Menschen hier glauben, dass die Ehe das wichtigste Ziel ist, das Frauen erreichen können, und dass sie wichtiger ist als Bildung. Einige Familien erlauben ihren Töchtern nicht einmal, zur Schule zu gehen. In einigen Teilen des Landes finden immer noch Kinderehen statt. Ich habe persönlich junge Mädchen gekannt, bei denen ich sah, dass sie mit alten Männern verheiratet wurden. Einige von ihnen waren meine Klassenkameradinnen in der Grundschule. Ich habe online gelesen, dass die Kinderehe in den letzten Jahren wegen des Krieges sogar auf dem Vormarsch war, da Familien ihre Töchter für Geld in die Ehe verkaufen, weil sie arm sind.

Was würdest du dir für dein Land wünschen?

Erstens, dass der Krieg aufhört, denn er verursacht so viel Leid. Zweitens möchte ich den Tag erleben, an dem mein Volk zu akzeptieren beginnt, dass Veränderung nicht schlecht ist und dass das Brechen mit Gewohnheiten und Traditionen sogar Vorteile haben kann. Jeder weiß, dass im Jemen im Moment Krieg herrscht, doch was weiß man noch über dieses Land?
Der Jemen hat eine sehr lange Geschichte und eine einzigartige Kultur. Aber anstatt die gleichen historischen Ereignisse ständig zu wiederholen, müssen wir endlich von üblen Gewohnheiten und Traditionen lösen und uns an den guten orientieren. Es ist bereits 2019, doch die Menschen leben bis heute in der Vergangenheit. Das macht mich, um ehrlich zu sein, ziemlich traurig.

Du bist nicht mehr religiös. Warum glaubst du nicht mehr an den Islam? Und seit wann?

Ich war nie eine strenggläubige Muslimin, doch immerhin glaubte ich, dass der Islam die Perfektion sei und ohne Makel, dass es keine Fehler und Löcher darin gäbe, die man kritisch hinterfragen könnte. Doch seit meiner Kindheit fühlte ich mich immer schuldig, weil ich nicht dem gefolgt bin, was meine Religion mich gelehrt hat. Ich hatte Angst, für immer in der Hölle zu brennen. Ich erinnere mich, als ich im Badezimmer meiner Schule zum ersten Mal meinen Hijab abgenommen habe,  mich im Spiegel ansah und anfing, mich selbst kritisch zu betrachten. Aber ich konnte nicht verstehen, warum ich mich immer noch äußerst schuldig fühlte und gleichzeitig Angst davor hatte, dass jemand plötzlich an die Tür klopft. Also fing ich an, mehr und mehr zu lesen, verschiedene Leute online zu treffen und mich mit ihnen über meine gemischten Gefühle bezüglich des Islams auszutauschen, bis es eines Tages Klick machte und ich einige Dinge klar erkannte. Zum Beispiel tauchten in meinem Kopf einige Fragen auf wie: Warum sollten andere Menschen den Islam hassen, wenn es doch eine friedliche Religion ist. Warum würde Allah mich dafür bestrafen, dass ich seine Regeln nicht befolgt habe? Warum kümmert sich dieser Allah immer um Frauenhaare und -körper und warum töten Menschen im Namen dieses Gottes? Ist er überhaupt da draußen und wenn er wahr ist, warum will er dann diejenigen verbrennen, die nicht an ihn glauben? Ich fing an, viele Fehler in dem zu finden, was der „Eine und einzige Gott“ sein sollte, also hörte ich auf, zu ihm zu beten. Ich würde mich ja auch nicht mit so unnachgiebigen, wütenden und narzisstischen Menschen abgeben – also, warum sollte ich einen Gott mit diesen Eigenschaften anbeten?

»Ich sehe kein Schwarz-Weiß mehr, mein Inneres ist jetzt voller schöner Farben.«

Wie hat sich das Leben für dich im Jemen verändert, seitdem du den Islam verlassen hast?

Mental hat sich für mich sehr viel verändert. Ich fühlte mich, als würde ich genau hier und jetzt wiedergeboren. Es ist, als ob man eine sehr alte und staubigen Maske abnimmt, die ich jahrelang tragen musste. Obwohl ich immer noch gezwungen bin, die Burka zu tragen, ist die Frau dahinter nicht mehr die gleiche Frau wie vorher. Ich sehe kein Schwarz-Weiß mehr, mein Inneres ist jetzt voller schöner Farben.

Es ist sehr gefährlich, den Islam zu verlassen. Die Artikel 12 und 259 des jemenitischen Strafgesetzbuches sehen die Todesstrafe für Apostasie vor. Wie gehst du damit um? Kannst du die Tatsache verbergen, dass du kein Muslim mehr bist?

Wie viele andere Ex-Muslime habe ich keine andere Wahl, als meine Identität zu verbergen und vorsichtig zu sein, wenn es darum geht, Details preiszugeben, die mich mein Leben kosten könnten. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich mich extrem einsam und deprimiert fühlte, sodass mir alles egal war. So postete ich meine Bilder auf Social Media Plattformen und hörte auf, zu Hause zu beten. Das war nicht besonders klug von mir, um ehrlich zu sein. Aber wie gesagt, es war mir egal, ob ich am nächsten Tag noch lebe oder tot bin. Aber da die Leute, die ich online traf, zu mir standen und mir zeigten, dass ich nicht allein bin, habe ich beschlossen, vorsichtiger zu sein und über jeden Zug nachzudenken, den ich mache, weil jede unbedachte Tat meine letzte sein könnte.

Besteht nicht die große Gefahr, dass deine Familie herausfindet, dass du nicht mehr gläubig bist?

Meine Familie weiß, dass ich mich von anderen typischen jemenitischen Mädchen unterscheide, die sich artig verhalten und sehr religiös sind. Aber keiner von ihnen weiß, dass ich nicht mehr täglich bete, dass ich den Islam verlassen habe und dass ein paar Internetfreunde Fotos von mir gesehen haben. Die Männer in meiner Familie kontrollieren uns Frauen sehr stark und wenn sie das jemals herausfinden, dann bin ich in großer Gefahr. Für meinen Glaubensabfall würde ich sehr wahrscheinlich bestraft werden, möglicherweise mit dem „Ehren“-Mord. Meine Schwester ist auch nicht mehr religiös. Glücklicherweise stehen wir uns sehr nahe, so dass wir uns immer wieder gegenseitig den Rücken stärken.

Du betreibst eine Facebook-Seite, die der Religion kritisch gegenübersteht und sich für Freiheit, insbesondere für Frauen, einsetzt . Warum gehst du ein solches Risiko ein entdeckt zu werden?

Die meisten Menschen in meiner Gesellschaft sind gezwungen, an etwas zu glauben, ohne eine Alternative gehabt zu haben. Ich möchte, dass meine Mitmenschen ihre Herzen für neue Gedanken und Ideen aus einem anderen Jemen öffnen und über den Tellerrand hinausblicken. Meine Seite ist wie eine offene Tür für jeden, der Antworten außerhalb des religiösen Kontextes sucht und wissen will, wie es ist, ein Freidenker zu sein.

Was würde passieren, wenn deine Familie herausfinden würde, dass du diese Facebook-Seite betreibst?

Absolut schreckliche und ungerechte Dinge würden mich erwarten. Dazu gehört, dass ich körperlich geschlagen, emotional und geistig missbraucht werde und ohne meine Zustimmung zwangsverheiratet werde. In meiner Gesellschaft sagt man, dass man eine Frau nicht freigelassen werden darf, denn sonst tut sie am Ende sündhafte Dinge und deshalb braucht sie einen Mann in ihrem Leben, der sie kontrolliert. Schon das Nachdenken darüber, was mich erwartet, ist erschreckend.

Was wünschst du dir persönlich für dein Leben?

Ich möchte wissen und fühlen, wie es ist, in einer gesunden und sicheren Umgebung zu sein, und ich möchte anderen helfen, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Ich möchte in der Lage sein, für mich selbst zu sprechen, ohne die Folgen befürchten zu müssen. Ich möchte auch, dass andere Menschen wissen, dass der Jemen mehr ist als nur der Krieg, von dem man in den Nachrichten hört, und dass sie vom Leben der normalen Frauen hier erfahren. Es gibt Menschen wie mich, die eine Veränderung bewirken und etwas für unsere Gesellschaft tun wollen. Ich bin keineswegs religiös, aber ich möchte eine Botschaft senden, dass der Jemen für alle sein sollte, ob religiös oder nicht, Muslime, Juden oder Christen, und dass wir, wenn wir alle zusammenleben und unsere Unterschiede akzeptieren können, wieder auferstehen können.

Vielen Dank für deine Zeit. Ich wünsche dir alles Gute und dass all deine Wünsche eines Tages in Erfüllung gehen werden.

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Deutsches Institut für Menschenrechte für Kinderkopftuch

Eine Publikation des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) spricht sich gegen ein Verbot des Kinderkopftuchs aus. Organisationen die sich für die Rechte von Frauen einsetzen, wie z.B. auch TERRE DES FEMMES, halten das für das falsche Signal im Kampf für die gleichen Rechte für Mann und Frau. Auch die Säkulare Flüchtlingshilfe e. V. wurde hierzu um ein Statement gebeten und wir sind diesem Wunsch gerne nachgekommen:

Die Säkulare Flüchtlingshilfe e. V. setzt sich für ein Kopftuchverbot von Kindern unter 14 Jahren ein.
Wir verstehen die Religionsfreiheit dahingehend, dass jeder Mensch frei seine Religion wählen kann, sich aber auch frei dazu entschließen kann nicht religiös zu sein. Um aber diese Religionsfreiheit gewährleisten zu können ist es notwendig, junge Menschen weltanschaulich neutral zu bilden und ihnen die Möglichkeit zu geben sich frei zu entfalten, damit sie die für sich richtige Entscheidung treffen können. So verstehen wir auch den Schutz der Kinder, wie er ursprünglich von den Vereinten Nationen gefordert wurde.
Religionsverbände versuchen schon seit langem die Religionsfreiheit nicht als individuelles Recht, sondern als Recht der Religionsgemeinschaften an ihren Mitgliedern umzudeuten. Diese Interpretation lehnen wir ab, da sie dem Wesen der individuellen Menschenrechte zutiefst widerspricht.
Wir haben als Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. viel mit Frauen zu tun, die fliehen mussten, da die religiösen Gemeinschaften in ihren Heimatländern eben dieses kollektive Recht an ihnen eingefordert hatte. Diese Frauen halten das Kopftuch, gerade bei Kindern, als eines der wichtigsten Werkzeuge, dieses Kollektivrecht am Individuum durchzusetzen.

Wir können die Uminterpretation der UN-Kinderrechtskonvention im Sinne der Religionsgemeinschaften durch das DIMR nicht nachvollziehen und lehnen diese als total verfehlt ab.

Stefan Paintner
Vorstand der Säkularen Flüchtlingshilfe e. V.

Publikation des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR)
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Information/Information_26_Religionsfreiheit.pdf

Petition „DEN KOPF FREI HABEN!“ von TERRE DES FEMMES
https://www.frauenrechte.de/kinderkopftuch

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Schiitische Islamisten bedrohen Menschenrechtsaktivistin in Deutschland

Islamistischer Terrorismus beherrscht schon seit vielen Jahren immer wieder die Schlagzeilen in den europäischen Medien. Die Anschläge im Bataclan, in Brüssel, bei Charlie Hebdo, um nur einige zu nennen. Sie zeigen das grausame Gesicht des religiösen Extremismus. Alle diese Anschläge sind von sunnitischen Muslimen begangen worden, die sich im Internet von den Ideen des Islamischen Staats, oder in Moscheen von entsprechenden Predigten aufhetzen ließen. Was dabei vergessen wird ist, dass es denselben Extremismus auch aufseiten der schiitischen Muslime gibt. Wir erinnern uns an die Todesfatwa, die 1989 gegen den britischen Autor Salman Rushdie ausgesprochen wurde und u.a. auch von dem bekannten Musiker Yusuf Islam (ehemals Cat Stevens) öffentlich gefordert wurde. Rushdie musste daraufhin viele Jahre untertauchen. Nach dem Angriff der USA auf den Irak hat sich dort eine schiitische Miliz gebildet, die ähnlich extreme Ansichten vertritt wie der sunnitische IS. Nur die Strategie, die sie verfolgen ist eine andere.

Worood Zuhair

Ich treffe mich mit der bekannten atheistischen Bloggerin Worood Zuhair in einem Café in einer deutschen Großstadt. Sie hatte mich kontaktiert, da die Todesdrohungen gegen sie immer massiver wurden. Wir, die Säkulare Flüchtlingshilfe e.V., begleiten die junge Frau schon seit ihrer Ankunft in Deutschland. Sie stammt aus der heiligen Stadt der Schiiten, Kerbela im Irak. Schon dort hatte sie sich vom Islam abgewandt, nachdem sie erkannte, dass all die Gräuel, die der Islamische Staat im Namen des Islam begingen, so auch von dem Propheten Mohammed begangen wurden. Dies führte innerhalb ihrer Familie zu immer größeren Spannungen, sodass sie eines Tages von ihrem eigenen Bruder in den Querschnitt geprügelt wurde. 2015 floh sie über die Türkei nach Europa. Seitdem setzt sie sich im Internet für die Frauenrechte, speziell im Irak, ein. Sie macht für die Rückständigkeit ihrer Region vor allem den Islam verantwortlich, der patriarchale Strukturen zementiere und Ungerechtigkeiten rechtfertige.

Zuhair zeigt mir ihre WhatsApp-Nachrichten, die sie in der letzten Zeit erhalten hatte. Es ist eine Flut an Beleidigungen. Sie sind vorwiegend sexuell degradierend und extrem frauenfeindlich. Was bei diesen Nachrichten auffällt ist, dass immer wieder auf einen Mann namens Mohammed Mandalawi, Spitzname Bunea, Bezug genommen wird. Zitat: „Ich werde meinen Freund  Mohammed Bunea, der in Deutschland ist, sagen, er soll dir in deine verschimmelte F**** treten.“

Mohammed Mandalawi

Mohammed Mandalawi ist der Anführer der in Essen neu gegründeten Rockergang „Al-Salam 313“. Die 313 bezieht sich auf die 313 Gefährten des Iman Al-Mahdi. Das Logo der Rockerbande ist eine weiße Taube. Dies ist auch das Symbol der paramilitärischen Einheit „Jaish al-Mahdi“, die auch Todesschwadronen im Irak gestellt haben soll. Die „Jaish al-Mahdi“, oder auch „Friedensbrigaden“, unterstehen dem einflussreichen geistlichen Politiker  Al-Sadr. Sie sind militärisch ausgebildet und waren bei den Angriffen gegen den IS in Mossul beteiligt. Als einer der Vertreter von Al-Sadr, Muhammed Talakani, Deutschland besuchte, ließ sich Mohammed Mandalawi mit ihm mehrmals bei gemeinsamen privaten Unternehmungen ablichten.

Mohammed Mandalawi mit Muhammed Talakani

Worood Zuhair sagt „Muhammed Talakani ist ein religiöser Hetzer. Kurz nachdem er sich über das sündige Verhalten der irakischen Bloggerin Tara Fares in einer öffentlichen Rede geäußert hatte, wurde sie erschossen.“ Zuhair sieht sich nun hier in Deutschland mit denselben Gruppen konfrontiert, vor denen sie seinerzeit geflohen ist. Gruppen, die auf Kritik am Islam nur eine Antwort kennen. Die die westliche Kultur ablehnen. Sie fürchtet nun, dass es eine ähnliche Vergeltungsaktion gegen sie geben wird, wie es sie gegen Tara Fares gab.

Zuhairs Befürchtungen sind durchaus berechtigt. Auf der einen Seite eine junge Frau, die nur das Wort hat und im Internet für mehr Freiheit und gegen die Entrechtung der Frau in der islamischen Kultur kämpft. Auf der anderen Seite eine bewaffnete Miliz, vernetzt in die Politik, schwer bewaffnet und militärisch ausgebildet.

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Erneut Angriff auf atheistischen Ex-Muslim

Rany E. kurz nach dem Angriff

Am frühen Sonntag Nachmittag, dem 28.04.2019, betrat der verängstigte Rany E. die Ambulanz in Bremerhaven. Neben Wunden am Oberarm hatte er auch ein stark geschwollenes Sprunggelenk, sodass er sich nur noch humpelnd fortbewegen konnte. Er wurde mit einer Eisenstange attackiert. Dies war nur einer der letzten Fälle von Übergriffen gegen atheistische Ex-Muslime in deutschen Camps.

Menschen, die wir in Deutschland unterstützen erfahren immer wieder Übergriffe von anderen Mitgeflüchteten. So wurde erst letzte Woche eine Mutter von vier Kindern von anderen Bewohnern geschlagen, da sie eine Wurst mit Schweinefleisch aß. Auch in der Vergangenheit erhielten wir Berichte von Männern, die Verbrennungen hatten oder deren Handys zerstört wurden. Dabei handelt es sich nur um die Höhepunkte eines Martyriums aus Mobbing und Beschimpfungen, dem diese Menschen tagtäglich ausgesetzt sind.

So werden Frauen auch oft als sexuelles Freiwild gesehen. Abgesehen von den tagtäglichen Zudringlichkeiten, derer sich die Frauen erwehren müssen, wurde uns auch oft von sexuellen Nötigungen und Übergriffen in den Camps berichtet, .

Rany E. sagt, er hat große Sorge, ob er sicher ist in Deutschland. Er ist vor eben jenen Menschen geflohen, mit denen er hier zusammenleben muss. Die Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. fordert, dass atheistische Ex-Muslime mit Nicht-Muslimen untergebracht werden. In einem normalen Camp sind sie nicht sicher – vor allem nicht in dem nun beginnenden Ramadan.

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