Ägypten

90 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 99% Sunniten und 1% Schiiten.

Der Islam ist seit 1971 Staatsreligion (Art. 2 der Verfassung) und die Scharia laut Verfassungszusatz von 1980 die Grundlage der Gesetzgebung. Formal besteht Religionsfreiheit, aber die Behörden erkennen nur die drei „himmlischen Religionen“ Islam, Christentum und Judentum an. Mormonen, Zeugen Jehovas und Bahai sind nicht anerkannt. Atheisten sind überhaupt nicht vorgesehen. Apostasie ist nach dem ägyptischen Strafrecht zwar nicht verboten, aber es besteht ein Unvereinbarkeitskonflikt mit Artikel 2 der Verfassung. Im Januar 2008 verfügte der Oberste Gerichtshof, dass das Recht auf Religionswechsel sich nicht auf muslimische Bürger bezieht. (BAMF, 2011)

Regierungsstellen und Staatsagenturen rufen offen dazu auf, Nicht-Religiöse zu marginalisieren, sie zu belästigen oder rufen zu Hass oder Gewalt auf. Es ist illegal, sich explizit als Humanist, Atheist, Säkularist oder andere nicht-religiöse NGO oder andere Menschenrechtsorganisation zu registrieren.

Das ägyptische Strafgesetzbuch verbietet in Artikel 98 Blasphemie ausdrücklich. Eingebettet ist es in die Verbote, sich für „extremistische Gedanken“, „Volksverhetzung“ oder „nationale Vorurteile“ einzusetzen. Jeder, der die abrahamitischen „Himmlischen Religionen“ verletzt oder die „nationaler Einheit“ kann mit Gefängnisstrafen von fünf bis sechs  Jahren und/oder Geldstrafen von bis zu 1.000 LE bestraft werden. Außerdem ist die Entweihung religiöser Symbole strafbar mit bis zu fünf Jahren Gefängnis und/oder Geldstrafen von bis zu 500 EUR (Artikel 160). Die Verbreitung des Atheismus in Wort, Schrift oder anderem wird mit Strafen von bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

Im Oktober 2014 hat der Scheich der renommierten Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyib, im staatlichen Fernsehprogramm gewarnt, dass Atheismus nicht länger eine Randerscheinung sei.

Anfang 2018 gibt es konkrete Pläne, „Atheismus“ zu kriminalisieren“ und die Strafen zu verschärfen. (IHEU)

Das Auswärtige Amt schreibt (im Februar 2018):
„Die Lage der Menschenrechte ist äußerst besorgniserregend. Menschenrechtsorganisationen berichten von Folter in Haftanstalten und auf Polizeistationen sowie von überlangen Haftzeiten unter unmenschlichen Bedingungen ohne Anklage. Das Phänomen des erzwungenen Verschwindens nimmt in seinem Ausmaß weiter zu.Menschenrechtsorganisationen sind in Ägypten derzeit in bisher ungekanntem Ausmaß Ziel von Repressionen wie Kontosperrungen, Ausreiseverboten und Ermittlungen geworden.“

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