Atheismus im Iran

von Sina Nasiri

Sina Nasiri

„Es war der 21. Oktober 2015, und ich kam wie immer von der Kaserne nach Hause zurück, wo ich mitten auf dem Weg von der iranischen Geheimdienstorganisation (Sepah) verhaftet wurde, die mich in das Zentralgefängnis von Arak brachten. Nach langen Folterungen und Verhören und unter schwerem Druck zwangen sie mich, meine Taten zu gestehen, und verurteilten mich zur Todesstrafe.“

Dies ist die Geschichte des iranischen Staatsbürgers Sina Dehghan, welcher der so genannten Blasphemie beschuldigt wird. Seine Probleme mit dem islamischen Regime Iran begannen, als er beschloß, einen Kanal in Line, einer Freeware-App, einzurichten, um seine Ideen zuim Islam aufzuschreiben und sich kritisch mit dem Koran auseinanderzusetzen. Jetzt wartet er auf die Todesstrafe.

Dies ist nur einer von vielen Fällen ehemaliger muslimischer Iraner, die ihr Leben riskierten, um ihre Ideen zum Ausdruck bringen zu können, Menschen, die als Muslime geboren wurden, dann aber die islamische Religion verließen. Obwohl ihre Zahl in den letzten Jahren zugenommen hat, sehen sie sich aufgrund ihres Glaubensabfalls in der islamischen Gesellschaft immer noch der Ächtung oder Vergeltung durch ihre Familien und ihres Umfelds ausgesetzt.

„Atheismus im Iran“ weiterlesen

Atheisten im Haus der Geschichte

Durch den Lockdown mussten wir hier in Stuttgart unsere Aktivitäten in der Säkularen Flüchtlingshilfe leider unterbrechen. In Kooperation mit der lpb  hatten wir die Buchpräsentation „Frauen dürfen hier nicht träumen – mein Ausbruch aus Saudi-Arabien“ geplant. Die Präsentation sollte mit der Autorin Rana Ahmad, Mitgründerin der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. gemeinsam mit unserer Vertretung hier in Stuttgart durchgeführt werden. Wir waren natürlich enttäuscht, dass das Projekt nun auf 2021 verschoben werden musste. Zwar hielten wir zu dieser Zeit über WhatsApp zu den einzelnen Mitgliedern Kontakt und haben auch eine Videokonferenz durchgeführt, uns war aber klar, dass die Gruppe den Wunsch hatte sich wieder „analog“ zu treffen. Da die Gruppe sich von Bad-Wimpfen bis Esslingen über Ludwigsburg und Stuttgart verteilt, ist das Bedürfnis sich zu treffen groß.

„Atheisten im Haus der Geschichte“ weiterlesen

„Sie übergossen mich mit Benzin um mich anzuzünden“

Ein Gastbeitrag von Muhammad Ajeef

Muhammad Ajeef

Ich wurde am 9. Mai 1989 Sohn muslimischer Eltern in Pakistan geboren. Mein Vater gab mir den Namen Muhammad Ajeef , nach dem Propheten Mohammed. Zudem war er auch ein Zeichen der Hingabe zum Islam. Aber ich war nie Teil dieser Religion. Wie konnte man an einen Gott glauben, den noch kein Mensch gesehen hat. Und wie konnte ich einem Propheten Mohammed glauben, der nach einer einsamen Meditation in einer Höhle behauptete, dass er der Prophet dieses unsichtbaren Gottes sei. Eigentlich wäre mein Platz in einer atheistischen Familie gewesen, aber wer kann sich schon aussuchen, wo er hineingeboren wird. So wurde ich zum Gejagten, obwohl ich kein Verbrechen begangen hatte. Eigentlich hat jeder das Recht sein Leben frei zu bestimmen, aber nicht in einem Land wie Pakistan, das als islamischer Staat gegründet wurde und in dem Muslime 97% der Bevölkerung ausmachen. Obwohl der weiße Streifen in der pakistanischen Fahne diese Minderheiten symbolisieren soll und die Gesetzgebung gerecht sein soll, sieht es in der Realität anders aus. Die Einstellung der Öffentlichkeit entspricht diesem Ideal in keinster Weise.

„„Sie übergossen mich mit Benzin um mich anzuzünden““ weiterlesen

Die Geschichte von Mohammed, einem Atheisten aus dem Irak

Hammoki ist im Jahre 2015 aus dem Irak nach Deutschland geflohen und bekam 2020 die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt. Wir haben ihn nach seiner Geschichte befragt.

Hammoki, aus welchen Gründen bist Du aus deinem Heimatland geflohen?

Da ich Atheist bin, war mein Leben in Gefahr. Ich musste damit rechnen, getötet zu werden.

Wie kam es dazu, dass du Atheist wurdest?

Ich stamme aus einer liberalen Familie, die zu einem alten Beduinenstamm gehört. Meine Eltern sind im Laufe der Zeit jedoch immer gläubiger geworden. Als Kind und Jugendlicher wurde ich gezwungen, die Moschee zu besuchen und den Heiligen Monat und den Ramadan einzuhalten. Dann habe ich begonnen, mich intensiver mit Glaubensfragen zu beschäftigen, und mir sind immer mehr kritische Fragen gekommen. Nach reiflicher Überlegung beschloss ich mit 18 Jahren, mich endgültig vom Islam abzuwenden. Die allgegenwärtige Gewalt, die Unfreiheit, die mangelnde Kritikfähigkeit, die Verquickung mit dem Staat, das Eheverständnis und die strengen Regeln ganz allgemein haben mich zutiefst abgeschreckt. Auch fand ich sowohl im Islam so als auch in allen anderen Religionen keine Antworten auf existenzielle Fragen. Für mich wurden Tatsachen, Realitäten und dieWissenschaft die Basis meines Denkens. Der religionskritische Dichter und Freidenker Abu l-Ala al-Ma`arri, der vor 1000 Jahren lebte, der Autor und Religionskritiker Abdullah al-Qasemi und der Sozialwissenschaftler Ali Al-Wardi wurden für mich zu Inspirationsquellen.

Wie wurde dein Atheismus entdeckt, wie entstand die Bedrohungssituation?

„Die Geschichte von Mohammed, einem Atheisten aus dem Irak“ weiterlesen

Mahmudul Haque Munshi im Vorstand der Säkularen Flüchtlingshilfe

(CC BY-SA 4.0)

Am 23. Mai 2020 wurde Mahmudul Haque Munshi auf der Mitgliederversammlung der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. einstimmig neu in den Vorstand gewählt. Munshi war im Herbst 2015 nach Deutschland geflohen, nachdem er als religionsfreier und islamkritischer Blogger in Bangladesch bedroht wurde und Mordanschläge überlebt hatte, jedoch mehrere seiner Freunde verlor, die auf offener Straße mit Macheten zu Tode gehackt wurden. Der Vereinsvorstand besteht nun aus Rana Ahmad, Mahmudul Haque Munshi und Stefan Paintner. Der gemeinnützige Verein ist somit eine Migrantenselbstorganisation (MSO).

„Mahmudul Haque Munshi im Vorstand der Säkularen Flüchtlingshilfe“ weiterlesen

Pressemitteilung: Mahmudul Haque Munshi im Vorstand der Säkularen Flüchtlingshilfe

Am 23. Mai 2020 wurde Mahmudul Haque Munshi auf der Mitgliederversammlung der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. einstimmig neu in den Vorstand gewählt. Der Vereinsvorstand besteht nun aus Rana Ahmad, Mahmudul Haque Munshi und Stefan Paintner. Somit ist der gemeinnützige Verein eine Migrantenselbstorganisation (MSO).

„Pressemitteilung: Mahmudul Haque Munshi im Vorstand der Säkularen Flüchtlingshilfe“ weiterlesen

Menschenrechtsaktivisten in Mauretanien wegen Blasphemie in Haft

Gastbeitrag yon Yahya Ekhou

Behörden der Islamischen Republik Mauretanien haben vor zwei Monaten mit der groß angelegten Inhaftierungswelle gegen Menschenrechtsaktivisten begonnen.

Othman Mohamed Lehbib

Als Folge dieser Maßnahmen wurden zwölf Menschen verhaftet, unter ihnen Journalisten, Autoren und Menschenrechtsaktivisten wie Cheikh Nouh, Emine Houd, Mekfoula Ibrahim und Mini Ibrahim. Während der Untersuchungen der nationalen Sicherheitsbehörden wurden die Beschuldigten für mehrere Tage in Einzelhaft verbracht. Neun von den Angeklagten durften nach dieser Zeit die Haft unter richterlichen Auflagen verlassen. Ihnen ist nicht gestattet das Land zu verlassen.

„Menschenrechtsaktivisten in Mauretanien wegen Blasphemie in Haft“ weiterlesen

Pressemitteilung: Über die gefährdete Situation religionsfreier Geflüchteter in Deutschland [Video]

Zusammenschnitt der Veranstaltung „Menschenrecht: Glaubens-Freiheit“ ist bei YouTube verfügbar 

Am 6. Februar fand im Forum der Volkshochschule Köln ein Informationsabend der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. in Zusammenarbeit mit der VHS Köln statt, zum Thema Menschenrechte religionsfreier Geflüchteter. Eine Zusammenfassung ist seit dem 30. März auf YouTube verfügbar:

Die Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. ist der einzige Verein in Deutschland, der sich bundesweit explizit für die Rechte Geflüchteter einsetzt, die ihre Religion, den Islam, verlassen haben und hier weiterhin Verfolgung ausgesetzt sind, genauso wie bei LGBT*.

Als Referent:innen zu Gast waren Dr. Lale Akgün, Autorin und MdB, a.D., die Bonner Professorin und Dipl. Psychologin Dr. Katja Mierke, die stellvertretend den Vortrag der 29-jährigen saudi-arabischen Menschenrechtsaktivistin Loujain Sultan verlas. Außerdem die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Rana Ahmad sowie Stefan Paintner, beide Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. „Pressemitteilung: Über die gefährdete Situation religionsfreier Geflüchteter in Deutschland [Video]“ weiterlesen