Säkulare demonstrieren im Irak

Ein Mann singt ein Lied, das sich ähnlich anhört wie die religiösen Gesänge, die auch in Videos des IS zu hören waren. Er filmt sich selbst mit seinem Handy, während er eine Straße in Bagdad entlanggeht, auf der noch vor kurzem eine Demonstration stattgefunden hatte. Diese wurde brutal niedergeschlagen. Dicker Rauch steigt in den Himmel und noch immer brennen Autoreifen. Doch der Mann singt kein religiöses Lied. Er singt:   Oh Welt, ich komme zu dir, damit du hörst, dass dies keine religiöse Revolution ist, sondern eine humanistische Revolution. Sie haben uns mit Gewehren und Artillerie beschossen, aber die Aufklärung folgt uns Revolutionären nach.
Auslöser der Unruhen ist unter anderem die schlechte Arbeitssituation im Land. Doch anders als in der Vergangenheit waren diesmal laut der Zeitung Al-Bayina Al-Jadida keine Parolen oder Banner zu sehen.  Die Menschen scheinen nicht mehr den alten religiösen oder politischen Gruppierungen anzuhängen. Sie scheinen nach neuen Wegen jenseits dessen zu suchen.

Die islamische Welt verändert sich. Nach einer langen Zeit des religiösen Fundamentalismus wächst die Gruppe junger Menschen, die sich nach einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft sehnen. In „The Arab world in seven charts: Are Arabs turning their backs on religion?“ stellte die BBC beispielsweise fest, dass sich der Atheismus in der islamischen Welt ausbreitet. Auch verzeichnet die Säkulare Flüchtlingshilfe einen stetigen Anstieg an Anfragen um 150% von religionsfreien Menschen aus der gesamten islamischen Welt allein in diesem Jahr. Angesichts dessen mutet es seltsam an, dass bei der Integration in Deutschland so viel Rücksicht auf die Religion genommen wird. Junge Menschen in Nahen Osten sind da schon viel weiter.

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