Pressemitteilung: Über die gefährdete Situation religionsfreier Geflüchteter in Deutschland [Video]

Zusammenschnitt der Veranstaltung „Menschenrecht: Glaubens-Freiheit“ ist bei YouTube verfügbar 

Am 6. Februar fand im Forum der Volkshochschule Köln ein Informationsabend der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V. in Zusammenarbeit mit der VHS Köln statt, zum Thema Menschenrechte religionsfreier Geflüchteter. Eine Zusammenfassung ist seit dem 30. März auf YouTube verfügbar:

Die Säkulare Flüchtlingshilfe e.V. ist der einzige Verein in Deutschland, der sich explizit für die Rechte Geflüchteter einsetzt, die ihre Religion, den Islam, verlassen haben und hier weiterhin Verfolgung ausgesetzt sind, genauso wie bei LGBT*.

Als Referent:innen zu Gast waren Dr. Lale Akgün, Autorin und MdB, a.D., die Bonner Professorin und Dipl. Psychologin Dr. Katja Mierke, die stellvertretend den Vortrag der 29-jährigen saudi-arabischen Menschenrechtsaktivistin Loujain Sultan verlas. Außerdem die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Rana Ahmad sowie Stefan Paintner, beide Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V.

Für Frau Dr. Lale Akgün ist es wichtig, die spezielle Situation religionsloser Geflüchteter hervorzuheben, „weil sie von der Mehrheitsgesellschaft nicht gesehen werden und durchaus auch von den anderen Geflüchteten als Gegnerinnen und Gegner erlebt werden.“

In der Rede von Loujain Sultan, (vorgetragen durch Mierke) bekommen die Zuschauer einen Einblick in die Lebenswelt von Menschen, insbesondere von Frauen, die sich zu einer Flucht aus ihrer Heimat entscheiden. Sultan berichtete von vielfachen Vergewaltigungen und Mordversuchen durch ihre Brüder und ihren Ehemann in Saudi-Arabien. Da ihren Brüdern ihr Aufenthaltsort in Deutschland bekannt sei, fürchtet Sultan auch in Deutschland noch um ihr Leben. „Wie lange werde ich noch darum kämpfen müssen, die grundlegendsten Rechte zu erlangen? Ich erzähle euch meine Geschichte. Es ist eine von vielen tausend Geschichten.“

Anschließend gibt dazu Frau Dr. Mierke ihre Einschätzung, dass für die Bewältigung von Traumata besonders die aktuelle Lage der Geflüchteten in ihrem Ankunftsland ausschlaggebend sei. Nur, wenn die unmittelbare Bedrohung hier in Deutschland ein Ende habe, sei eine Bewältigung überhaupt möglich.

Rana Ahmad, Mitbegründerin der Säkularen Flüchtlingshilfe e.V., die selbst 2015 aus Saudi-Arabien floh, macht deutlich, warum die Arbeit ihres Vereins so wichtig ist: „Wir glauben an Menschenrechte, wir glauben, dass jeder Mensch das Recht hat, frei zu glauben, ohne dafür verurteilt zu werden. In 12 islamischen Ländern steht auf Atheismus die Todesstrafe, wie kann es sein, dass sie in der Welt keine politische Stimme und keine Lobby haben? Deshalb müssen wir aktiv werden!“ Außerdem macht Ahmad erneut deutlich, dass religionsfreie Geflüchtete in Deutschland immer noch nicht sicher seien und auch hier verfolgt und angegriffen werden.

Stefan Paintner verdeutlicht anhand der Geschichte von Worood Mahdi wie diese Verfolgung aussieht. Nachdem sie nach Deutschland geflohen war, schickten ihre Brüder ihr Fotos ihrer misshandelten Schwester, mit den Worten „Siehst du, was du getan hast?“ Auslöser war ein Fernsehauftritt Mahdis im arabischsprachigen Sender der Deutschen Welle, in dem sie offen über die familiären Lebensbedingungen vieler Frauen in der arabischen Welt sprach.
Paintner hebt hervor, dass glaubensfreie Geflüchtete in Deutschland auch wichtige Multiplikatoren für mehr Freiheit und Menschenrechte in ihren Herkunftsländern sind, sie dafür jedoch Unterstützung und Schutz der deutschen Gesellschaft brauchen. 

Das vollständige ca. 40-Minütige Video (inkl. englischem Untertitel):
https://youtu.be/_3cEu55RphU